Verborgene Spitzen - Bewahrte Schätze

"Tradition pflegen heißt nicht, Asche aufbewahren, sondern die Glut am Glühen halten". Mit dem vorangestellten Zitat des französischen Philosophen und Historikers Jean Jaurès begann Leiterin Kerstin Bienert ihre Begrüßungsrede zur Eröffnung der wiederum sehr sehenswerten Sonderausstellung "Verborgene Spitzen - Bewahrte Schätze" im Klöppelmuseum auf Burg Abenberg, womit zugleich die neue Museumssaison eingeläutet wurde. Bis 17. Dezember 2017 sind die Werke der Sonderausstellung zu bewundern.


Lauschen gespannt den Ausführungen von Spitzenklöpplerin und Ausstellerin Maria Kilian, Kunst Palast Düsseldorf (roter Hut, von links): Museumsleiterin Kerstin Bienert, stellvertretender Landrat und Bezirksrat Walter Schnell, Bezirkstags-Vizepräsidentin Christa Naaß, Abenbergs 3. Bürgermeister Anton Friedrich, Heimatvereinsvorsitzender Jürgen Kuhn, 2. Bürgermeister Hans Raithel (Roth), die Ausstellerinnen Heike Beckers-Hartl und Claudia Schuster, Bezirksrat Ernst Schuster.

Mit dem Zitat stellte Bienert eine Verbindung her zu dem Eindruck, den sie beim gemeinsamen Rundgang am Nachmittag mit den drei Ausstellungsmacherinnen Heike Beckers-Hartl, Maria Kilian und Claudia Schuster, die extra aus Düsseldorf angereist waren, bekommen hatte. Das Glühen in den Augen der Klöpplerinnen sei unübersehbar gewesen, sagte Bienert.
Alle drei lieben die Klöppelspitze und beschäftigen sich intensiv mit deren Geschichte (Schuster), den technischen Aspekten (Beckers-Hartl, derzeit Leiterin der Arbeitsgruppe Technik im Deutschen Klöppelverband) und der Herstellung (Kilian, leidenschaftliche Klöpplerin). Ihre mitgebrachten Arbeiten würden bezeugen, so Bienert, dass das Thema Tradition pflegen und zu bewahren kein leichtes Thema sei. Es brauche viel Zeit und sei sehr aufwändig.
 
Ein herzliches Grüß Gott ging an alle, die gekommen waren, um diese sonst verborgenen Schätze, historische Spitzen, die im Museum Kunst Palast Düsseldorf lagern und von den drei Damen rekonstruiert und nachgearbeitet wurden, bestaunen zu können und um zu sehen, wozu man zu leisten handwerklich imstande sei.

Besonders freute es Bienert, die Vertreter der drei Träger des Zweckverbandes Burg Abenberg, Bezirk Mittelfranken (Bezirkstags-Vizepräsidentin Christa Naaß), Landkreis Roth (Landrats-Stellvertreter Walter Schnell) und Stadt Abenberg (3. Bürgermeister Anton Friedrich) begrüßen zu können. Die politische Ebene sei wichtig zur Förderung der Museen auf Burg Abenberg, damit Sonderausstellungen überhaupt stattfinden könnten.

Ein weiterer Willkommensgruß, ging an Altbürgermeister Karlheinz Walter für die Vergangenheit, an die Stadtratsmitglieder Franz Bachmann, Inge Strobel und Jürgen Kuhn. Letzterer wurde als 1. Vorsitzender des Heimatvereins Abenberg extra vorgestellt mit dem Hinweis, dass der Heimatverein zu den wichtigsten Partnern zähle, denn die Sammlung im Klöppelmuseum, von der in der Ausstellung verborgenen Schätze gezeigt werden, gehöre dem Heimatverein. Bienert nannte in diesem Zusammenhang auch das zur Zeit laufende Projekt, die vorhandene Sammlung zu digitalisieren, was ohne die Leistungen des Heimatvereins, den vielen Privatpersonen und Firmen aus Abenberg und die Unterstützung der Stadt nicht möglich wäre.

Namentlich nannte Bienert, verbunden mit besonderen Dank, den langjährigen 1. Vor-sitzenden Franz Kornbacher und Joseph Heiling, den Ehrenvorsitzenden des Heimatvereins, unter deren Führung die Grundlagen dafür geschaffen worden seien, damit die Tradition überhaupt gepflegt werden könne. Auch ohne Klöppelschule, deren Leiterin Christine Meier und ihrer Stellvertreterin Inge Bayer wäre das Klöppelmuseum nicht so lebendig, wie es ist. Und schließlich: Museumsleiter Tobias Schmid (Schwabach), Zweiter Bürgermeister Hans Raithel (Roth) und Kreisheimatpflegerin Dr. Annett Haberlah-Pohl.

Künstlerinnen tragen Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft
Wie wichtig dem Bezirk das Klöppelmuseum Abenberg ist, machte Bezirkstags-Vizepräsidentin Christa Naaß deutlich. Nicht, wegen der drei anwesenden Vertreter, wie sie sagte. Mit ihr kamen die Bezirksräte Ernst Schuster und Walter Schnell, sondern weil es spitze sei und hier wirklich Hervorragendes geleistet werde. Die Dauerausstellung sei super und die Sonderausstellungen eine wirkliche Bereicherung, nicht nur für Abenberg, sondern für den ganzen Landkreis und darüber hinaus.

Auch die drei anwesenden Künstlerinnen bezeichnete Naaß als spitze. Mit Leidenschaft seien sie an die Sache herangegangen. Obwohl jede von ihnen einen ganz anderen Beruf habe, würden sie sich voll auf das Thema Klöppeln, Klöppelspitze und Vergangenheit konzentrieren und darauf, wie man Vergangenheit in die Gegenwart und damit auch in die Zukunft bringen könne.

"Ehre, wem Ehre gebührt"
Als Vertreter von Landrat Herbert Eckstein bezeichnete Walter Schnell Sonderausstellungen als "Salz in der Suppe". Schnell sprach von wahren "Schätzen", die in diesem Spezialmuseum ausgestellt sind oder teilweise noch in Depots lagern. An die Adresse der örtlichen Politiker gerichtet, bezeichnete der stellvertretende Landrat die "Abenberger Schatzkammer" als "wirkliche Chance" und nannte als Grund den Vergleich der nachgearbeiteten und nachgebildeten Kunstwerke "mit Spitzen, die schon ein paar hundert Jahre alt sind, mit Garnen, die es heute wahrscheinlich gar nicht mehr gibt und mit Techniken, die man so gar nicht mehr nachvollziehen" könne.
"Ehre, wem Ehre gebührt", fügte Schnell hinzu. Ehre den alten Meistern, aber auch Kompliment und Anerkennung den jungen Meisterinnen, die eine "tolle Arbeit gemacht haben und uns an ihrem Hobby so teilhaben lassen". Das zeichne sie aus. Schnell sparte nicht mit lobenden Worten für die drei Damen, die er im Landkreis Roth ganz besonders willkommen hieß.

Bürgermeister, Stadtrat und Bürgerschaft stolz auf Museen
3. Bürgermeister Anton Friedrich als Vertreter der Stadt Abenberg und von Bürgermeister Werner Bäuerlein fühlte sich alleine schon vom erhaltenen Flyer mit abgedrucktem Programm angesprochen. Museumsleiterin Kerstin Bienert sprach er für die geleistete Arbeit herzlichen Dank aus und teilte mit, dass Bürgermeister, Stadtrat und die Bürgerschaft auf die beiden Museen, Klöppelmuseum und Haus fränkischer Geschichte, richtig stolz seien.

Jürgen Kuhn freute sich, als 1. Vorsitzender des Heimatvereins Abenberg bei der Eröffnung einer weiteren Sonderausstellung dabei sein zu können, dass Museumsleiterin Kerstin Bienert mit ihrem Team das immer so toll mache und dafür sorge, dass Tradition am Leben gehalten werde. 2. Vorsitzender Franz Kornbacher wies kurz auf besonders wertvolle Exponate und Besonderheiten im Museum hin.

In Sonderausstellung zu sehen: Alte Spitzen des ehemaligen Central-Gewerbe-Vereins Düsseldorf und Rekonstruktionen
Zufall sei es gewesen, dass Marianne Stang, die damalige Vorsitzende des Deutschen Klöppelverbandes, in den Archiven der Stadt Düsseldorf nach Informationen über Tina Frauberger (1861 - 1937) suchte. Viel sei damals von dieser nicht bekannt gewesen. In einer kurzweilig und spannend vorgetragenen Rede verstand es Claudia Schuster vortrefflich, auf die Person Tina Frauberger einzugehen, auf deren persönlichen und beruflichen Werdegang.

Als sie Ende der 80er Jahre von Spang gebeten wurde, die Suche fortzusetzen, sei sie nach ersten Funden neugierig geworden und habe sich, noch vor dem Internetzeitalter, durch Folianten im Stadtarchiv Düsseldorf gewühlt und habe nach dem Zufallsfund eines Zeitungsartikels im Düsseldorfer Generalanzeiger weitere Artikel in Kunstgewerbeblättern, Texte, Abbildungen von Arbeiten, Themen von Vortragsreihen, Arbeitshefte im Selbstverlag u. a. entdeckt. Kopien davon könnten heute problemlos im Internet eingesehen werden.

Anfang des 20. Jahrhunderts genoss Frauberger eine fundierte Ausbildung an der k.u.k-Fachschule für Stickerei in Wien. Mit Bewunderung sprach Schuster über Frauberger, die nach gescheiterter Ehe und einem Kind damals noch Jungius hieß, auf der Suche nach Einkommen für ihr Auskommen ab etwa 1888 zunächst als Stickerin, später auch als Verwalterin der Spitzensammlung des Central-Gewerbeverbandes Rheinland und Westfalen gearbeitet habe. Mit ihrem Buch "Spitzenkunde" habe sie erstmals im deutschsprachigen Raum versucht, Spitzen zu systematisieren und einzuordnen.

Frauberger war im Besitz einer eigenen Spitzensammlung. Der ursprüngliche Umfang allerdings, so Schuster, sei heute nicht mehr rekonstruierbar. Teile davon jedoch seien im Besitz des Abenberger Museums und würden zusammen mit den Spitzen aus dem Museum Kunst Palast Düsseldorf in der Sonderausstellung gezeigt. Das heißt, dass in den Vitrinen des Klöppelmuseums Abenberg die alten Spitzen des Central-Gewerbe-Vereins und die arbeitsintensiven Rekonstruktionen der Ausstellerinnen nebeneinander zu bewundern sind. Dort finden sich unter anderem auch Arbeitsunterlagen, so zum Beispiel Transparente zu verschiedenen Spitzen in unterschiedlichen Arbeitsstadien, Klöppelbriefe, Arbeitsproben und Korrekturen.
Zum Schluss lud Museumsleiterin Bienert noch ein, sich die drei Filme eines Projekts mit dem Titel "How to Klöppel" (Freestyle, Jugendlich, Traditionell) mit Schülerinnen der Klöppelschule Abenberg im Erdgeschoß anzuschauen (auch zu sehen bei Youtube).

Die Öffnungszeiten: Im März Do bis So von 11 bis 17 Uhr, vom April bis Oktober Di bis So von 11 bis 17 Uhr, im November und Dezember Do bis So von 11 bis 17 Uhr. Vom 19. bis 31. Dezember ist geschlossen. Geöffnet am Oster- und Pfingstmontag.

Weitere Infos: Klöppelmuseum Burg Abenberg, Burgstr. 16, 91183 Abenberg, Tel. 09178/90618, e-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Internet: www.museen-abenberg.de

Bild und Text: Karlheinz Hiltl

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