Jubiläum 60-jähriges Wiederbestehen

Heimatverein Abenberg feierte mit einem Festnachmittag und der Ehrung der Gründungsmitglieder sein 60-jähriges Wiederbestehen - Lob vom Landrat für 1. Vorsitzender Kuhn - Interessante Vorträge von Kreisheimatpflegerin Annett Dr. Haberlah-Pohl und 2. Vorsitzenden Franz Kornbacher

 

Bei einem Festnachmittag hat der Heimatverein Abenberg am vergangenen Sonntag seine 60-jährige Wiedergründung gefeiert und mit einem anspruchsvollen Programm bestätigt, dass er zurecht als herausragendes Element in der Kulturlandschaft der Stadt Abenberg angesehen wird.
Neu und deshalb besonders aufmerksam von den Anwesenden beachtet war der Vortrag zum Thema Heimat und Geschichte von Kreisheimatpflegerin Dr. phil. Annett Haberlah-Pohl. Kurzweilig und hochinteressant auch der von zweitem Vorsitzenden Franz Kornbacher zusammengestellte Foto-Streifzug, der im Zeitraffer-Tempo das Vereinsleben "60 Bilder - 60 Jahre seit 1956" aufzeigte.
Im Mittelpunkt aber standen die neun am Tag der Veranstaltung noch lebenden Gründungsmitglieder, die vor 60 Jahren mithalfen, den Heimatverein - damals hieß der noch Heimat- und Verkehrs¬verein - wiederzugründen:  Anton Bößl, Joseph Heiling, Adolf Heinloth, Franz Kornbacher, Richard Mayer, Ernst Ottinger, Albin Riedl, Georg Rock und die Stadt Abenberg, vertreten durch den jeweils amtierenden Bürgermeister. Das Vereinsleben des 1901 gegründeten Heimatvereins war durch die Verhältnisse im Dritten Reich und den 2. Weltkrieg zum Erliegen gekommen. 

Landrat Herbert Eckstein (Dritter von links), 2. Bürgermeister Hans Zeiner (Vierter von links) und Heimatvereins-Vorsitzender Jürgen Kuhn (rechts) ehrten die Gründungsmitglieder gemeinsam (von links): Franz Kornbacher, Joseph Heiling, Georg Rock, Adolf Heinloth, Richard Mayer, Anton Bößl, Albin Riedl, die Stadt Abenberg (vertreten durch 2. Bürgermeister Hans Zeiner) und Ernst Ottinger (fehlt auf dem Foto).

1. Vorsitzender Jürgen Kuhn war begeistert von der Resonanz der Veranstaltung, die in der Ausstellungshalle des Kleintierzuchtvereins im Gewerbegebiet stattfand. Unter den rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren auch zahlreiche Ehrengäste. Würdevolle Anerkennung für die durchwegs ehrenamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Verein. Da die Mitgliederzahl gegenüber Trends in anderen Vereinen gerade in letzter Zeit wieder gestiegen ist (Stand derzeit 370), war der Vorsitzende besonders erfreut. Vor allem auch deshalb, weil die Neumitglieder bei dem doch etwas höheren Altersdurchschnitt meistens der jüngeren Generation angehören.
Namentlich begrüßte Kuhn mit Landrat Herbert Eckstein, 2. Bürgermeister Hans Zeiner (1. Bürgermeister Werner Bäuerlein war erkrankt) und Bezirksrat Ernst Schuster die Vertreter der drei im Zweckverband Burg Abenberg vertretenen Träger (Bezirk Mittelfranken, Landkreis Roth, Stadt Abenberg). Der Zweckverband ist nicht nur für die Sanierung zuständig ist, sondern betreibt und verwaltet neben dem Haus fränkischer Geschichte auch das Klöppelmuseum betreibt, das mit einer Vielzahl von Exponaten des Heimatvereins bestückt ist.
Weiter hieß Kuhn die beiden Geistlichen, Pfarrer Josef Zottmann und Pfarrer Klaus-Dieter Geuer willkommen, eine Abordnung des Klosters Marienburg mit Lokaloberin Schwester Margarita Schütz an der Spitze, Kreisrätin Birgit Helbig, 3. Bürgermeister Anton Friedrich mit den Stadtratsmitgliedern Riepel, Helbig, Bachmann, Strobel und Börschlein, die Kreisheimatpflegerinnen Eva Schultheiß und Annett Dr. Haberlah-Pohl, die Altbürgermeister Richard Biegler und Karlheinz Walter, die Vertreter der befreundeten Vereine "Heimatverein Spalter Land" (1. Vorsitzender Hans Rosebauer und 2. Vorsitzender Martin Haberkern), und des Geschichts- und Heimatvereins Schwabach (2. Vorsitzender Hans P. Grieshammer) sowie Ehrenvorsitzender Joseph Heiling und Ehrenmitglied Ernst Ratschmeier.
Mindestens genauso lang war die Dankesliste des Vorsitzenden, ohne die vielen Mithelferinnen und Mithelfer hätte der Festnachmittag gar nicht hätte stattfinden können. Besonders dankte Kuhn der achtköpfigen Blechbläser-Gruppe der DJK und ihrem Leiter Sebastian Pröger. Diese hatte den Part der musikalischen Gestaltung übernommen. Schon das Auftaktstück "Eurovisions-Fanfare" und später das dem englischen Barock entlehnte "Trumpet Voluntary" ließen die Bedeutung des Nachmittags erkennen. 
Grußwort Landrat Herbert Eckstein
Mit einem Kompliment an den Vorsitzenden für seine Art zu moderieren begann Landrat Herbert Eckstein sein Grußwort.

1. Vorsitzender Jürgen Kuhn (links) und 2. Vorsitzender Franz Kornbacher (rechts) überreichten die Urkunden für 25- und 40-jährige Mitgliedschaft (von links): Emma Stallwitz, Thomas Reichenberger, Karl Lang, Friedrich Raab, Jakob Biburger. Es fehlen: Maria Gruber (USA), Georg Meyer, Gerald Meyer, Angela Radtke, Georg und Viktoria Schütz.


"Heimat. - Früher, als wir jünger waren, war das langweilig" sagte der Landkreischef zum Einstieg. Heiter und dennoch tiefgründig trug Eckstein Stegreif-Gedanken zum Begriff "Heimat" vor. Er sprach von einer Gegenbewegung, die derzeit im Gange sei. "Seit es die Grenzen nicht mehr gibt, merkt man, dass Heimat eigentlich das wichtigste ist" und auch schön sei, schöner vielleicht als anderswo . Bloß manchmal brauche es Leute, die von wo anders herkommen, die einem das zeigen. "Wir müssen nur auf uns Obacht geben, dass unsere Heimat, wie wir sie haben, auch unsere Heimat bleibt". Kritisch fragte er in den Raum: "Oder haben wir schon lauter Toskana-Häuser?".
Wer seine Identität nicht preis gebe bleibe genauso unverwechselbar wie unsere Landschaft, fuhr Eckstein sinngemäß fort und lenkte die Aufmerksamkeit auf die lokale Situation. Für ihn habe Abenberg schon mal einen besonderen Reiz und ein Alleinstellungsmerkmal mit der Burg, dem Kloster und dem Klöppeln. "Da ist ein Heimatverein Gott gegeben mit da" gab er sich überzeugt. Und wenn er sich den Stadtkern anschaue, sei das schon etwas Besonderes. Das alles hätten die Alten geschaffen mit viel weniger "und wir müssen jetzt schauen, wie wir das Ganze erhalten".
Tiefe Wertschätzung zollte Eckstein den Gründungsmitgliedern. Größten Respekt brachte er der Lebensleistung von zweitem Vorsitzenden Franz Kornbacher entgegen, den er ein "wandelndes Geschichtsbuch" nannte, der fast 50 Jahre in vorderster Front alles, was im Verein passierte, mitgemacht habe. Den Literaturpreisträger des Landkreises Roth im Jahr 2016, Billy Wechsler, ebenfalls anwesendes Mitglied, lobte er, weil dieser ein altes Wohnhaus vorbildlich mit fast ausschließlich Naturmaterialien sanierte. Dann Ernst Ratschmeier, den Motor bei der Sanierung des Heimathauses. sie alle seien Beispiele für einen modernen Verein. Immer brauche es Impuls gebende Menschen.
Kreisheimatpflegerin Dr. Haberlah-Pohl stellte die romantische Seite Abenbergs vor
Ähnlich schwärmend äußerte sich Kreisheimatpflegerin Annett Dr. phil. Haberlah-Pohl. Sie komme gerne nach Abenberg, sagte sie, "weil hier alle so begeistert sind". Was folgte, war ein akribisch vorbereiteter Vortrag mit dem Thema "Die Entdeckung der romantischen Seite Abenbergs", der bei den Anwesenden hohe Anerkennung fand. 
Die Burg, gebaut von den einst bedeutenden Grafen von Abenberg, war im 13. Jahrhundert lange im Besitz der Hohenzollern, ehe sie 1296 an den Bischof von Eichstätt verkauft wurde. Von da an war sie bis 1796, also über 500 Jahre, Verwaltungssitz. Das frühe 19. Jahrhundert sei die Zeit von politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich großen Veränderungen gewesen und damit ein großer Einschnitt in das Leben der Menschen. Abenberg habe seine Stellung als Amtssitz verloren, was einen schweren Schlag für das Städtchen bedeutet habe. Damit sei die die Burg überflüssig geworden.
Dr. Haberlah-Pohl nannte bei ihrer Einführung einige Beispiele von oft lange leer stehenden Burgen und deren spätere Umnutzung. So gesehen habe Abenberg Glück gehabt, war sie überzeugt, denn die Burg Abenberg habe nie leer gestanden. Mit Max Freiherr von Welden habe der letzte Pfleger 1806 die Burg aus Staatsbesitz erworbebn.
Von 1852 bis 1875 gehörte sie dem Abenberger Hopfenhändler Anton Hofmann, 1872 sollte die Burg abgerissen werden. Schließlich habe sie gerade noch rechtzeitig der Münchener Kunsthistoriker Karl Josef Zwerschina zusammen mit Michael Beißbart um 4000 Gulden erworben.
Der Vortrag selbst war in fünf Abschnitte gegliedert: 1. Warum Rettung der Burg Abenberg, 2. Historisierung der Burg Ende des 19. Jahrhunderts, 3. Die Stadt Abenberg um die Wende zum 20. Jahrhundert,  4. Heilige Stilla und 5. Die Nachkriegszeit, ausgehend vom frühen 19. Jahrhundert. Die Ausführungen belegte Dr. Haberlah-Pohl mit Bildern und Fotos. Über die weiteren Inhalte des Vortrages wird zu einem späteren Zeitpunkt berichtet.
Grußwort 2. Bürgermeister Zeiner
2. Bürgermeister Hans Zeiner blickte kurz zurück. Schon im Jahr 1901 hätten sich Menschen zusammengetan, also vor über 115 Jahren, und den Heimatverein gegründet. Schon damals habe man sich Gedanken darüber gemacht, wie Geschichte dokumentiert und für die Nachwelt erhalten werden könne. Den gleichen Antrieb und das gleiche Interesse, so Zeiner, hätten die Bürgerinnen und Bürger 1956 verfolgt, als die Wiedergründung des Heimatvereins (wie überliefert ist "im grünen Saal auf Burg Abenberg". 42 Personen unterschrieben damals) beschlossen wurde.
"Egal, was es in der Stadt und in unserer Großgemeinde zum Aufarbeiten gibt, der Heimatverein hat immer Menschen, die uns die Geschichte für die heutige Generation erhalten und weitergeben". Er kümmere sich auch um Denkmäler, erinnere uns an so manches Brauchtum. Einiges wäre schon längst in Vergessenheit geraten.
Dieser Heimatverein habe aber auch gesellschaftlich besonders herausragende Bedeutung in unserer Gemeinde. Dafür bedankte sich Zeiner im Namen der gesamten Bürgerschaft, begleitet von frenetischem Beifall der Anwesenden.
Mit der Unterhaltung und der Pflege von Denkmälern und mit den Erklärungen über die Bedeutung der vielen Steinsäulen im Gemeindegebiet und den geschichtlich wertvollen Grenzsteinen zählte Zeiner ein paar Beispiele der Verdienste des Heimatvereins für die örtliche Gemeinschaft auf. Dazu gehörte auch das Heimathaus. Nach Erwerb und Sanierung würden dort immer wieder sehr gute Ausstellungen stattfinden. Der besondere Dank ging an dieser Stelle an Joseph Heiling, dem Vorstandsvorsitzenden der Familienstiftung Heiling.
Das größte Lob zollte Zeiner für das Klöppelmuseum auf Burg Abenberg, "das es ohne den Heimatverein wahrscheinlich nicht gäbe". Er wagte zu behaupten, dass das Klöppelmuseum nicht nur weit über Abenbergs Grenzen hinaus bekannt sei, sondern "weltweit". Für Urlauber und Touristen würde ein Besuch genauso wie die Teilnahme an einer der vielen Burgführungen zum Pflichtprogramm gehören.
Wie alle anderen Grußwortredner, später traten noch die Filialdirektorin der Sparkassen Spalt-Abenberg, Petra Gmeinwieser, 1. Schützenmeisterin Gerdi Wilhelm vom "Sportschützenverein Abenberg 1666 e. V." und mit Hans Rosenbauer und Martin Haberkern der erste und zweite Vorsitzenden des befreundeten Heimatvereins Spalter Land ans Mikrofon, gratulierte 2. Bürgermeister Hans Zeiner dem Heimatverein zum Fest der Wiedergründung und brachte ein Jubiläumsgeschenk mit. 
Ehrungen für 60, 40 und 25 Jahre Mitgliedschaft
Nach einem musikalischen Zwischenspiel erfolgte die Ehrung der neun Gründungsmitglieder (Namen siehe oben) mit Urkunde und dem aktuellen Buch "Kleindenkmäler im Landkreis Roth" . Diese nahmen Landrat Eckstein, 2. Bürgermeister Zeiner und 1. Vorsitzender Kuhn, begleitet von großem Applaus, gemeinsam vor. Anschließend ehrten 1. Vorsitzender Jürgen Kuhn und 2. Vorsitzender Franz Kornbacher Mitglieder für 40- und 25-jährige Mitgliedschaft.
40 Jahre: Jakob Biburger, Maria Gruber (USA), Karl Lang, Georg Meyer, Gerald Meyer, Friedrich Raab, Angela Radtke, Georg Schütz, Viktoria Schütz.
25 Jahre: Thomas Reichenberger und Emma Stallwitz.
Das Vereinsleben im Zeitraffer
Nach der Kaffeepause zog Franz Kornbacher die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Sein Lichtbild-Vortrag: "60 Bilder - 60 Jahre seit 1956". Zusammen mit Josef Einziger hatte er einen Mix aus 60 Jahren Vereinsleben zusammengestellt. Er erinnerte an die Motivation für die Wiedergründung und an deren Initiatoren, den rührigen ersten Vorsitzenden Anton Schütz und Verwaltungsleiter August Mohr von der Stadtverwaltung. Nur ein paar prägende Ereignisse und herausragende Aktivitäten und Veranstaltungen wurden erwähnt.
So die Teilnahme an Rangau-Tagen und Festzügen. Ab 1957 wurden Blumenverlosungen durchgeführt, begleitet von der Stadtkapelle, später abwechselnd von der Original Abenberger Blasmusik (OAB) und der DJK (Spielmannszug, Musikzug, Blasmusik). Ausstellungen in der Mädchenrealschule Marienburg, in den Rathaussälen, auf der Burg und im Heimathaus, Die Herausgabe der ersten Wanderkarte, die Eröffnung der Wanderwege und Erweiterung des Wegenetzes, Altstadt¬-Spaziergänge und regelmäßige Burgführungen.
Einmalig die Herausgabe von Stilla- (1977) und Klöppel-Kreuzern (1981). 1981 erfolgte auch die Eröffnung des Klöppelmuseums im Rathausgebäude am Oberen Tor (einst Sparkassenraum). Es wurden Pflanzaktionen, Vogelstimmen- und Pilzwanderungen durchgeführt, so Kornbacher. Zur Tradition gehören die jährlichen Vorträge wie zum Beispiel der von Dr. Walter Buckl, Eichstätt: "Die Tagelieder des Wolfram von Eschenbach". Ein Festzug der OAB war gleichzeitig die Geburtsstunde der Trachtengruppe.
Es fanden Festveranstaltungen statt, eigene oder mit Beteiligung des Heimatvereins (2001: 100 Jahre Heimatverein Abenberg, 90 Jahre Klöppelschule Abenberg). Mit einem Stand beteiligte sich der Heimatverein 30 Jahre lang an den Burgfesten. Als Verantwortliche organisierte Christiane Hörndler tolle "Klöppelfahrten" unter anderem nach Italien, Frankreich, Tschechien, Slowenien als wertvolle Ergänzung zu den jährlichen Tages- und Halbtagesfahrten. 2007 erfolgte die Heimathaus-Erweiterung,
Ernst Ratschmeier, Josef Nagel und Alfred Hufmann kümmerten sich um die Erhaltung von Denkmälern, Steinsäulen und Grenzsteinen. Einmalig der "Klöppelschatzfund" im alten Schäfenecker-Haus (2011). Dr. Fritz Memmert, Ernst Ratschmeier und Manfred Probst wurden für ihre jahrelang herausragenden Dienste zu Ehrenmitgliedern, Joseph Heiling zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seit der Einführung der Blumenschmuck-Prämierungen wurden vom Heimatverein, so Kornbacher, in der Großgemeinde 345 Blumenabende durchgeführt.

Am Ende des Vortrages bekamen Altbürgermeister Richard Biegler, Lokaloberin Schwester Margarita Schütz vom Kloster Marienburg, Kreisheimatpflegerin Annett Dr. Haberlah-Pohl, Altbürgermeister Karlheinz Walter und Kreisheimatpflegerin Eva Schultheiß von 1. Vorsitzenden Jürgen Kuhn und 2. Vorsitzenden Franz Kornbacher eine CD von den 60 im Lichtbildervortrag gezeigten Fotos überreicht.

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